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Ist die Film- und Fernsehlandschaft frauenfeindlich?

05.08.2015, 0 KOMMENTARE

Das große Thema „Gleichstellung von Mann und Frau“ ist eines der zur Zeit wichtigsten und meist diskutierten Themen. In fast allen Lebensbereichen wird man mit diesem konfrontiert und versucht es so zu lösen, dass es am besten gar kein Thema mehr ist.

Da ist es nur konsequent, dass die Präsenz der Frauen im Filmgeschäft auch genauestens analysiert wird. In Deutschland gibt es generell sogar ein bisschen mehr Frauen als Männer. Um genau zu sein 52% Frauen und damit 48% Männer. Bei den Kinobesuchern sieht die Statistik ähnlich aus: 54% aller Kinobesucher sind weiblich und stellen so, wenn auch nur knapp, die Mehrheit der Konsumenten von Kinofilmen dar. Frauen sind aber nicht nur als Zuschauerinnen von Filmen begeistert, sie wollen auch selbst welche drehen und so sind die Regieabsolventinnen an Filmhochschulen mit 42% genauso vertreten wie ihre männlichen Kommilitonen. Doch dann ist in der Statistik etwas zu beobachten, was einen stutzig werden lässt: Gerade mal 22% aller Kinoregisseure sind weiblich. Bei TV-Produktionen sind es sogar nur 11%.

Grafik Frauen im Film

Diese Zahlen sind ebenso verwunderlich wie fragwürdig. Wie kommt es, dass eine Vielzahl der Regieabsolventinnen nach ihrer Ausbildung anscheinend nicht so viele Filme drehen wie ihre männlichen Kollegen?

Bei der Organisation WIFT (Women in Film and Television) wundert man sich über diese Zahlen ebenfalls und möchte etwas ändern. Dort setzt man sich für die Gleichberechtigung der Frauen in allen Bereichen der Filmbranche ein. Egal ob in den Redaktionen und Produktionsfirmen, bei der Filmförderung oder am Set - vor und hinter der Kamera. Sie veranstalten viele Events, bei denen sich die Frauen der Branche kennenlernen und austauschen können. Es entsteht so ein Netzwerk, mit dem die Organisation hofft, die Filmbranchen ein Stück in Richtung Gleichberechtigung zu bewegen.

Um herauszufinden ob ein Film frauenfeindlich ist, wurde von Alison Bechdel, einer amerikanischen Comicautorin („Dykes To Watch Out For“) der sogenannte Bechdel-Test entwickelt. Dieser ist ein Indikator für die Präsenz und Darstellung von Frauen im Film. Der Test besteht aus drei grundlegenden Fragen die mit „trifft zu“ beantwortet werden müssen, um den Test zu bestehen und somit den Film als „frauenfreundlich“ einzustufen:

1. Es müssen mindestens zwei Frauen (mit Namen) darin vorkommen.
2. Mindestens zwei Frauen müssen miteinander reden (kein Einzeiler).
3. Es muss in diesem Gespräch (mindestens) ein anderes Thema geben, als Männer.


Etliche Filme haben sich schon diesem Test unterzogen und wurden in einer Liste zusammengetragen (http://bechdeltest.com/). Unter den durchgefallenen Filmen sind viele Klassiker und überaus erfolgreiche Werke. Unter anderem sind zum Beispiel „Star Wars“, „Harry Potter“ und „Forest Gump“ durchgefallen. Dafür überraschte aber „Ben Hur“ als „frauenfreundlicher“ Film und auch viele neue, ebenfalls erfolgreiche Filme wie „Argo“ dürfen sich als „frauenfreundlicher“ Film bezeichnen. Vier schwedische Kinos und ein skandinavischer Fernsehsender namens „Viasat Film“ machen Ernst und zeigen nur noch Filme, die den Bechdel-Test bestanden haben. Vielleicht ist das ja der erste Schritt in die richtige Richtung. Gegen Frauenfeindlichkeit in der Filmbranche!

Quellen / Links:
- http://www.wiftg.de
- https://en.wikipedia.org/wiki/Bechdel_test
- Grafik von Juliane Block

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